Blog der Lösungsfabrik

Qualitätsmanagement und ISO 9001

Zum Thema Nutzwertanalyse

Nachdem ich vor einigen Tagen in der Kategorie „Was ist…?“ einen kurzen Beitrag zu Nutzwertanalyse geschrieben habe, möchte ich hier nochmal deutlich intensiver auf das Thema eingehen und auch anhand eines Praxisbeispieles erklären.

Doch fangen wir erst mal mit der Theorie an 😉

 

Theoretische Erklärung

Die Nutzwertanalyse ist ein Bewertungsverfahren aus der Entscheidungstheorie, bzw. -findung. Mit Hilfe einer Nutzwertanalyse werden (nicht-monetäre) Teilziele miteinander verglichen, um eine Entscheidung für eine der möglichen Alternativen treffen zu können. Die Nutzwertanalyse eignet sich für alle Mehrzielentscheidungen.

 

Theoretische Umsetzung einer Nutzwertanalyse

Im ersten Schritt werden die Unterziele zu dem eigentlichen Ziel definiert. Das wäre zum Beispiel bei der Anschaffung einer neuen Software die Bedienbarkeit, die Zweckerfüllung oder auch der Support, der von der „Softwareschmiede“ geleistet wird.

Nach offizieller Definition (zum Beispiel durch Wikipedia) gehört die Festlegung von k.o.-Kriterien nicht in eine Nutzwertanalyse. Ich persönlich lasse diese jedoch ggf. einfließen, denn es bringt ja nichts, wenn im oben genannten Fall eine Nutzwertanalyse für eine Software durchgeführt wird, die nur zur monatlichen Vermietung angeboten wird, die Geschäftsleitung aber aufgrund des Kostenfaktors darauf besteht, nur Software mit einem einmaligen Anschaffungspreis zu berücksichtigen.

Wenn die einzelnen Unterziele definiert wurden, wird den Unterzielen jeweils eine Priorität zugeordnet. Denn nicht immer (oder besser gesagt eher selten) ist es der Fall, dass einem die wichtigsten Dinge am Anfang einfallen. Somit wird den Unterzielen, die in loser Aufzählung bis dahin aufgeschrieben wurden, ein gewisser Wert zugewiesen.

Nutzwertanalyse-Priorisierung

Sobald die Priorisierung vorgenommen wurde, können die Bewertung der einzelnen Unterziele für die verschiedenen Alternativen vergeben werden. Dabei werden in der Regel Punkte von 1 bis 10 (1 für schlecht, 10 für sehr gut) vergeben. Die Summe aller Multiplikatoren ist das Endergebnis für die jeweilige Alternative. Bei der Gegenüberstellung der einzelnen Alternativen ist die mit dem höchsten Ergebnis die sinnvollste.

Wenn nötig und bei Bedarf kann eine Sensitivitätsanalyse durchgeführt werden, in dem die Gewichtung der einzelnen Unterziele verändert wird und die Nutzwertanalyse damit erneut durchgeführt wird.

 

Vorteile

  • Durch die Flexibilität der Zielsystems ist gewährleistet, dass die Nutzwertanalyse individuell auf die eigenen Bedürfnisse angepasst werden kann.
  • Die Nutzwertanalyse kann für eine frei wählbare Anzahl an Alternativen und für eine frei wählbare Anzahl von Unterzielen durchgeführt werden.
  • Es ergibt sich eine direkte Vergleichbarkeit und es kann durch die Auswahl gemeinsamer Kriterien etwas Unvergleichliches vergleichbar gemacht werden.
  • Entscheidungen werden nachvollziehbar und argumentierbar getroffen.

 

Nachteile

  • Zu viele Unterziele gefährden unter Umständen die Übersichtlichkeit und Nachvollziehbarkeit des Ergebnisses.
  • Unterschiedliche Personen (Entscheidungsträger) haben teilweise unterschiedliche Präferenzen in Bezug auf die einzelnen Unterziele und deren Gewichtung (Priorisierung).
  • Es kann nicht gewährleistet werden, dass auch wirklich immer Alternativen in derselben Hinsicht verglichen werden können.

 

Praktische Umsetzung einer Nutzwertanalyse

Die Meier-Müller-Schulze GmbH entschließt sich für einen Mitarbeiter im Außenvertrieb einen neuen Firmenwagen anzuschaffen und die Auswahl durch eine Nutzwertanalyse durchzuführen.

Es werden Angebote von Herstellern und Modellen gängiger Fahrzeuge (alles Kombis) eingeholt und der betreffende Mitarbeiter freut sich schon. Doch die Entscheidung kann und darf er nicht allein treffen. Dafür wird ein Meeting mit ihm, dem Vertriebsleiter und dem Geschäftsführer einberufen.

In dem Meeting definiert jeder seine Anforderungen an den Wagen. Der Geschäftsführer legt besonderen Wert auf die Kosten, die der Wagen verursachen wird. Der Vertriebsleiter legt sein Augenmerk auf die Leistung, die der Wagen seinem Mitarbeiter bietet, so zum Beispiel das Kofferraumvolumen. Der betroffene Mitarbeiter gibt zu bedenken, dass auch die Sicherheit des Fahrzeuges ein Entscheidungskriterium sein sollte, da er damit pro Jahr viele Tausend Kilometer unterwegs sein wird.

Die erste, lose Aufzählung der Unterkriterien (Unterziele) lautet daher: Motorleistung, Kofferraumvolumen, Sicherheit, Schadstoffausstoß, Service und Erreichbarkeit des Services, Verbrauch, mon. Leasingraten, Steuern, Versicherungen und zu erwartende Wartungskosten.

Nach ausführlicher Diskussion und einer Priorisierung ergaben sich somit folgende Oberkriterien, Unterkriterien und deren Gewichtung:

  • Oberkriterium Kosten 50% mit Unterkriterien mon. Leasingraten 25%, Steuern 3%, Versicherung 5%, Wartungskosten 7% und Verbrauch 20%
  • Oberkriterium Leistung 30% mit Unterkriterien Kofferraumvolumen 10%, Motorleistung 10% und Sicherheit 10%
  • Oberkriterium Umweltverträglichkeit 5% mit nur einem Unterkriterium Schadstoffausstoß 5%
  • Oberkriterium Händler 5% mit den Unterpunkten Service 3% und Erreichbarkeit 2%

Also k.o.-Kriterium legte der Geschäftsführer noch fest, dass der neue Wagen keinen Stern auf der Motorhaube haben sollte. Er ist der subjektiven Meinung, dass man da zu viel für den Namen und das Image bezahlt.

Als man dann die Nutzwertanalyse für die verbleibenden zwei Angebote angewendet hat, erhielt man folgendes Ergebnis:

 

Praxisbeispiel-Nutzwertanalyse

Hier finden Sie das Praxisbeispiel-einer-Nutzwertanalyse als Excel-Datei.

Als „Sieger“ aus diesem Vergleich ging also die Alternative A hervor. Aufgrund eines relativ kleinen Abstandes zwischen den beiden Alternativen könnte man an dieser Stelle noch eine Sensitivitätsanalyse durchführen, worauf ich aber jetzt nicht näher eingehe.

Praxisbezug Qualitätsmanagement und Nutzwertanalyse

Das oben genannte Beispiel wurde deshalb von mir gewählt, weil es ein gutes und leicht nachvollziehbares Beispiel ist, auch wenn es keinen direkten Bezug zum Qualitätsmanagement hat. Selbstverständlich lässt sich diese Nutzwertanalyse auch auf QM-Bereiche anwenden, zum Beispiel wenn es darum geht, eine Lackierkabine o.ä. anzuschaffen. Oder aber auch, um Bewerber objektiv anhand ihrer Ausbildung, Fähigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen zu vergleichen.

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