Blog der Lösungsfabrik

Qualitätsmanagement und ISO 9001

9 Indizien an denen Sie erkennen, dass Sie den falschen QM / ISO 9001 Berater haben – Teil 2

Hier nun der zweite Teil mit 3 weiteren Beispielen an denen Sie erkennen, dass Sie den falschen QM / ISO 9001 Berater haben.

Auch hier nochmal die Anmerkung, dass ich alle geschilderten Beispiele auch wirklich schon gesehen habe.

 

Anzahl der Audits und ähnliches

Ein Qualitätsmanagementsystem sollte ja immer auf ein Unternehmen und damit auch auf die Größe des Unternehmens angepasst sein. Wenn wir eine kleine Unternehmensberatung nehmen, mit einem Inhaber und zwei Teilzeitkräften, die die ISO 9001 Zertifizierung vorrangig dafür haben, dass die Beratungen über das KfW-Förderprogramm gefördert werden, dann ist folgendes Passus zu internen Audits wohl leicht übertrieben:

Interne Systemaudits werden halbjährlich geplant und durchgeführt

Wenn ich das jetzt mal auseinandernehmen, bedeutet dass, dass halbjährlich Audits (Mehrzahl, also mindestens zwei) durchgeführt werden sollen, sprich mindestens 4 interne Systemaudits pro Jahr.

Das finde ich für ein Unternehmen dieser größe nicht angemessen und leicht übertrieben.

 

Unlogischer Aufbau im QM Handbuch

Gerade erst vor kurzem habe ich ein QM Handbuch gesehen, in dem sich ein Unternehmen dazu verpflichetet hat (oder vom Berater verpflichetet wurde) quartalsweise Kundenzufriedenheitsmessungen mit einem Kundenfragebogen vorzunehmen. Gewundert hat mich einerseits die Häufigkeit und andererseits, dass einen Satz später stand, dass die Ergebnisse der Kundenzufriedenheitsmessung einmal jährlich im Rahmen der Managementbewertung ausgewertet werden.

Jetzt bin ich sowieso kein Freund davon, Kundenzufriedenheitsmessung unbedingt mit einem Fragebogen zu machen. Wozu aber erhebe ich quartalsweise Daten, die ich eh nicht auswerte, weil dies nur jährlich geschieht?

 

QM ist QM und Arbeitssicherheit bleibt Arbeitssicherheit

Ein Qualitätsmanagementhandbuch sollte sich hauptsächlich um das Qualitätsmanagement des Unternehmens drehen. Wenn das QM Handbuch vorrangig  Arbeitssicherheit oder Datenschutz handelt, dann habe ich einen QM / ISO 9001 Berater erwischt, der Fachmann für Arbeitssicherheit oder Datenschutz ist und sich einfach mal im Bereich Qualitätsmanagement versucht. Und wenn ein kleines Zwei-Mann-Unternehmen vom QM Berater dazu aufgefordert wird, im Rahmen der Handbucherstellung einen Fluchtplan für das Zweiraum-Büro zu entwerfen, dann weiß ich: Ich habe einen Fachmann für Arbeitssicherheit gefunden. Gut, dass bringt mich jetzt für eine ISO 9001 Zertifizierung nicht wirklich voran, aber wer weiß, wofür man den noch mal gebrauchen kann.

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One thought on “9 Indizien an denen Sie erkennen, dass Sie den falschen QM / ISO 9001 Berater haben – Teil 2
  • Anne Schneider sagt:

    Sehr geehrter Herr Thode,

    nachdem ich heute zufällig über den Lösungsfabrik-Blog gestolpert bin habe ich mich rasch festgelesen.
    Zu ihren Erfahrungen zum Thema „schlichte QM-Beratung bzw. 0815-Beratung mit Standarthandbuch bei KMUs kann ich nur schmunzelnd zustimmen.
    Als freie QM-Auditorin in Betrieben des Gesundheitswesens und -handwerks begegne ich Musterhandbüchern, falsch verstandenen Qualitätszielen und einer katastrophalen Dokumentenlenkung trotz (oder dank) Standardhandbuch allenthalben. Selbst in so stark reglementierten und Dokumentationswilligen Organisationen wie Apotheken schaudert mich manchmal die Durchsicht der Dokumentation und der Umgang damit. In den meisten Fällen kennt wohl weder die Leitung noch der Berater den Wortlaut der betreffenden ISO-Norm. Schade, denn darum gehts ja.
    Inzwischen komme ich zum Schluß dass aus reiner Unkenntnis der tatsächlichen Normforderungen ein sperriges Konstrukt aus Dokumenten und Formblättern an den Kunden verkauft wird und der Kunde aus reiner Unwissenheit alles übernimmt und stichprobenhaft Anpassungen vornimmt, ohne zu Wissen, was am Dokumentengerüst er tatsächlich verändern kann und was unbedingt stehen bleiben muß, um den Mindestanforderungen der 9001 zu genügen. Und so entsteht vielfach ein aufgeblähtes Konstrukt, vollgestopft mit Redundanzen. Bestimmt ein Drittel der Dokumentation ist bereits in der ersten Zertifizierungsperiode scheintod und führt auch Jahre später noch ein Schattendasein, unbeachtet von Mitarbeitern und Leitung. Dabei sollte das QMS zum Betrieb passen wie ein gemütlicher Wanderschuh.
    Die Musterhandbuchberater klagen über zu geringe Honorare und können dem Kunden nur 0815 verkaufen, da in der knappen Zeit mehr nicht drin ist. Die KMU beklagen die fehlende freie Zeit, ein QMS von grundauf neu aufzubauen, schon die Implementierung des Muster-QMS empfinden sie parallel zu den tagtäglichen Versorgungsprozessen als zeitraubend und die Mitarbeiter schwer zu motivieren.

    Aber es gibt auch Lichtblicke!
    Engagierte Köpfe bringen mit einfachen Mitteln und Begeisterung ein Muster-QMS in Schwung und haben von Anfang an die Mitarbeiter im Boot. Und das ist die zweite Erkenntnis: Es steht und fällt mit den Köpfen der Leitung.

    Ich danke Ihnen für die vielen interessanten Beiträge die bereichern und bestätigen!

    Ihre Anne Schneider

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