Blog der Lösungsfabrik

Qualitätsmanagement und ISO 9001

Qualitätsmanagement für Arztpraxen

Wesentliche Stolpersteine für ein funktionierendes QM in Arztpraxen

2006 wurde gesetzlich verankert, dass alle niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten in ihren Praxen ein Qualitätsmanagementsystem einführen und weiterentwickeln müssen. Diese Aufgabe wurde mit viel Begeisterung in Angriff genommen und es entstand eine Reihe an QM-Modellen, an denen sich die Praxen orientieren konnten. Heute, im Jahr 2015, sollten also alle Niedergelassenen im 10. Jahr über ein laufendes QM-System verfügen. Doch die Realität sieht anders aus. Viele QM-Handbücher wurden nicht vollständig erstellt. Größtenteils ruft das Wort „QM“ nur Frust hervor. Fazit: QM wird bis heute nur in wenigen Praxen wirklich gelebt. Woran liegt das?

 

Der Sinn von QM

Immer wieder erlebe ich, dass in Arztpraxen Sätze fallen wie „Das ist jetzt QM.“ oder „Das will das QM von uns.“ Hier wird also gedanklich zwischen der „Praxis“ und dem „QM“ unterschieden. Und hier liegt auch schon der erste grundsätzliche Fehler. Die grundlegende Absicht von QM ist es, die Abläufe einer Organisation zu strukturieren. QM darf also nicht NEBEN den Praxisabläufen herlaufen, sondern es muss als Möglichkeit (als Werkzeug) betrachtet werden, wie alle Mitglieder der Praxis die Abläufe selbst steuern können. „Steuern“, also „gezielt Einfluss nehmen“, das ist die Grundidee des QM. Der Zufall soll ausgeschaltet werden.

Vielen Arzthelferinnen macht QM Angst, weil sie fürchten, kontrolliert zu werden. Aber wer in erster Linie überprüft denn da? Idee des QM ist es, wie oben bereits erwähnt, dass sich die Einrichtung selbst überprüft, um sich weiterzuentwickeln. Wer ein intaktes QM-System etabliert hat, hat also folglich auch von externen Prüfern nicht viel zu befürchten. Schließlich prüfen die Behörden auch nur, was durch das QM-System bereits mit aufgebaut worden sein sollte. Und der Zertifizierer prüft ohnehin nur – auf eigenen Wunsch, da die Zertifizierung bisher nicht gesetzlich vorgeschrieben ist – ob das System, das sich die Praxis als Werkzeugkasten (DIN EN ISO 9001, QEP, …) ausgesucht hat, auch richtig angewendet wird. Er prüft also das auf Stimmigkeit, was zuvor vorbereitet wurde, damit er es überprüfen kann.

 

Nutzen und Reichweite von QM

QM wurde den Arztpraxen gesetzlich aufgetragen, deshalb wird es bei vielen immer noch nicht als etwas Hilfreiches akzeptiert. Aber wenn ich etwas schon machen muss, vielleicht steckt ja auch etwas Nützliches für mich drin?

QM hilft mir, meine Abläufe zu strukturieren, endlich Ordnung in alle Bereiche meiner Praxis zu bekommen, meinen Mitarbeitern ein Umfeld zu schaffen, in dem sie sich wohlfühlen und dem sie Freude haben, sich um die Patienten zu kümmern.

Dabei kann mir das QM-Handbuch helfen, wenn ich es als Handbuch für meine Praxis, also als Praxis-Handbuch, betrachte: Alles, was nicht in der Patienten-EDV festgehalten hat oder dort thematisch nicht hineingehört, findet einen Platz im QM-/Praxis-Handbuch.

Das Paradoxon daran: Sie haben ein funktionierendes QM erreicht, wenn sich niemand mehr Gedanken darüber macht, ob „das jetzt QM ist“, sondern wenn alle sich darüber einig sind, dass die eigene Struktur sie unterstützt.

 

Und jedes Jahr ein neues Ziel …

„Unser Ziel fürs nächste Jahr? Dass alles so bleibt, wie es ist.“ Wie oft höre ich diesen Satz. Ja, es wäre schön, wenn das reichte. Aber die Norm DIN EN ISO 9001 sieht nicht umsonst die ständige Verbesserung vor. Warum? Selbst wenn wir in unserer Einrichtung nichts verändern wollen, weil wir mit dem zufrieden sind, was wir haben, bleibt die Welt um uns herum nicht stehen. Wenn wir ein erfolgreicher Teil der Gesellschaft bleiben wollen, MÜSSEN wir uns weiterentwickeln. Das heißt aber nicht, dass wir immer neue Ziele erfinden müssen. Es reicht auch, mit der Umgebung auf einem Niveau zu bleiben. Auch die Anpassung an sich verändernde äußere Bedingungen ist bereits ein Ziel. Wünschenswert ist natürlich darüber hinaus, dass auch die Praxis von sich aus erkennt, was sie zum Wohle der Mitarbeiter und Patienten verbessern kann.

Es gilt also zunächst diese gedanklichen Barrieren zu durchbrechen, bevor das Qualitätsmanagement in Arztpraxen gelingen kann.

 

Am Mittwoch erscheint ein weiterer Gastartikel von Marion Meyer zum Thema „Sechs entscheidende Stolpersteine für das QM in Arztpraxen“.

 

Gastartikel von:

QMedicus Consulting

Managementsysteme für medizinische Einrichtungen Marion Meyer, M.A.

Junior-Chefin

DGQ-Qualitätsbeauftragte und interne Auditorin

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