Blog der Lösungsfabrik

Qualitätsmanagement und ISO 9001

Lieferantenmanagement

Wenn selbst bei Volkswagen die Produktion stillsteht weil es Probleme mit einem Lieferanten gibt, dann sollte dass das Zeichen sein, sich hier auf dem Blog auch mal mit dem Thema Lieferantenmanagement zu beschäftigen.

Lieferantenmanagement

Es ist ja nun schon einige Wochen her, aber sicherlich werden sich noch viele daran erinnern können – bei Volkswagen stand die Produktion still, weil es Differenzen mit einem Lieferanten gab, der die Belieferung daraufhin eingestellt hat. Für mich ganz klar ein Fall von „selbst Schuld“. Wir brauchen da jetzt auch nicht großartig auf die Besonderheiten in der Automobilindustrie einzugehen und deren Drang nach „Preisoptimierung“, Just-in-time-Lieferungen und ähnlichem. Für alle Branchen und Unternehmensgrößen gilt – es gibt nicht nur ein Klumpenrisiko im Vertrieb, es gibt auch ein Klumpenrisiko im Einkauf. Wer sich von einem Lieferanten in der Art und Weise abhängig macht, der kann nur hoffen, dass der Fall der Fälle niemals eintritt. Und wenn er doch eintreten wird, dass er mit den Konsequenzen zu leben hat.

Und wer dieses Risiko nicht eingehen möchte, der betreibt einfach ein Lieferantenmanagement und sorgt dafür, dass er (wenn möglich) immer auch Alternativlieferanten hat. Auf der folgenden Grafik sind einige verschiedenen Stadien von Kunde-Lieferanten-Beziehung dargestellt. Sicherlich kann man nicht immer 100%ig trennen und die Übergänge sind teilweise fließend, aber vom Ablauf her sicherlich zutreffen.

Lieferantenmanagement

 

Ich versuche das auch anhand einiger Beispiele möglichst verständlich zu erläutern.

Wenn Sie eine Metzgerei haben und für ein Sommerfest Flyer benötigen, dann suchen Sie sich eine Druckerei und diese ist dann für Sie ein Einmallieferant. Das Risiko in diesem Bereich würde ich als sehr gering einschätzen. Die Druckerei soll Ihnen ja nur einmalig eine Lieferung sicherstellen.

Wenn die Druckerei Ihnen schon mehrfach Flyer für das Ernte-Dank-Fest, die Sommerparty, das Scheunenfest u.ä. geliefert hat, dann würde ich das irgendwo zwischen Qualifizierter Lieferant oder Wiederhollieferant festmachen. Auch hier sehe ich eine Gefahr noch als relativ gering an.

Gefährlicher wird es schon im Bereich Vorzugslieferant und da beginnt für mich das eigentliche Lieferantenmanagement. Wenn Sie mit Ihrer Metzgerei werktags einen Mittagstisch anbieten, dafür jede Woche Flyer machen lassen und diese dann in den Firmen im Umkreis auslegen, dann haben Sie in der Regel einen Vorzugslieferanten, der Ihnen dann diese Flyer produziert. Wenn dieser Vorzugslieferant dann aber der einzig möglich Lieferant ist, dann haben Sie ein Risiko, wenn dieser ausfällt. Es wäre also nicht das schlechteste, wenn Sie noch anderen Lieferanten hätten, die Ihnen dann diese Flyer liefern könnten. Wie genau man dies dann anstellt, das würde hier zu weit gehen. Wichtig ist aber zu sehen, dass an bzw. ab dieser Stelle ein Risiko besteht und man handeln sollte oder meiner Meinung nach gar muss.

Lösen wir uns jetzt mal vom Beispiel der Metzgerei und sagen, dass Sie eine Werbeagentur haben. Wenn Sie dann von der Werbeagentur aus einen extrem enges Kunden-Lieferanten-Verhältnis zu einer Druckerei haben, dann würde ich dieses schon als Industrialisierungspartner bezeichnen. Das Risiko an dieser Stelle ist dann schon enorm groß und wird noch größer, wenn es um den Bereich der Entwicklungspartner geht. Nehmen wir hier mal das Beispiel, dass Sie dann zusammen mit der Druckerei ein Verfahren entwickeln, um bestimmte Produkte oder Materialien zu bedrucken und diese für Werbezwecke einzusetzen. Beide Firmen sind in diesem Falle in der Abhängigkeit der anderen. Wenn die Druckerei dieses Projekt (aus welchen Gründen auch immer) einstellt, dann hat die Werbeagentur in der Regel keine Möglichkeiten dieses Projekt alleine weiterzuverfolgen. Oder zum Beispiel im Automobilbereich – da gehen Entwicklungspartnerschaften soweit, dass Mitarbeiter von externen Firmen auf dem Gelände der Autobauer mit in deren Teams arbeiten. Und damit sind wir schon wieder am Anfang bei den Automobilern.

Die ISO 9001:2015 stellt natürlich nicht direkt die Forderung nach einem Lieferantenmanagement auf, es geht der Norm nur um die Beurteilung der Lieferanten (bzw. externe Anbieter von Prozessen, Produkten oder Dienstleistungen). Doch wenn die Norm an anderer Stelle fordert, dass Chancen und Risiken ermittelt werden müssen, dann würde ich in diesem Punkt in Richtung Risiko gehen, welches minimiert bzw. ausgeschlossen werden sollte. Da kann dann aber jedes Unternehmen für sich selber entscheiden, welches Risiko es dort sieht und welche Maßnahmen angemessen sind. Und genau diese Sensibilisierung möchte ich mit diesem Blogbeitrag erreichen. Denn ganz offensichtlich haben selbst große Unternehmen da so ihre Schwierigkeiten.

 

 

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